{"id":1356,"date":"2001-05-11T23:14:48","date_gmt":"2001-05-11T21:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/progress-foundation.nexline.ch\/?p=1356"},"modified":"2021-07-07T20:11:32","modified_gmt":"2021-07-07T18:11:32","slug":"folgenschwerer-neid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2001\/05\/11\/folgenschwerer-neid\/","title":{"rendered":"Folgenschwerer Neid"},"content":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 \u00d6KONOMISCHE LITERATUR &#8211; Freitag, 11. Mai 2001, Nr. 108, Seite 87)                                      <\/p>\n<h2>Die Rolle in Gesellschaft und Wirtschaft<\/h2>\n<p><em>Von <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/daniel-bruehlmeier\/\">Daniel Br\u00fchlmeier<\/a><\/em>   <\/p>\n<p>Seit Kain Abel erschlug bis hin zur massenmedial aufgepeitschten Diskussion um Manager-, Sportler- und andere Spitzensal\u00e4re oder bis zu jenem misslungenen Fr\u00fcchtchen eines Waadtl\u00e4nder Notabeln, der eine Entf\u00fchrung damit begr\u00fcndete, dass sein Opfer reich, arrogant und erfolgreich bei den Frauen war, gilt: Neid ist menschlich. Der gediegene Reader \u00abNeid\u00f6konomie\u00bb, hervorgegangen aus einem Seminar und einer Konferenz der Progress Foundation und herausgegeben von Robert Nef und Gerhard Schwarz, dem Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion, kommt keineswegs zur Unzeit. Nebst Referaten und modernen Klassikertexten versammelt er repr\u00e4sentative Sprichw\u00f6rter und Zitate zum Thema Neid aus verschiedenen Kulturen und Jahrtausenden.    <\/p>\n<p>Im magischen Dreieck von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ist der Neid von gr\u00f6sster, aber meist tabuisierter Pr\u00e4senz. Die Gerechtigkeit hat ungeheuer darunter gelitten, zu oft und zu sehr von neidgetriebenen Ideologien auf das Ziel der Gleichheit reduziert worden zu sein. Das Sensorium f\u00fcr positive Ungleichheit und Verschiedenheit, die sich aus freiem zwischenmenschlichem Wettbewerb, letztlich aus dem Urtrieb der individuellen Selbstverwirklichung ergibt, ist im Sog der Gleichbehandlung von allem und jedem, vor allem auch von Ungleichem, verloren gegangen. Verantwortlich daf\u00fcr sind vor allem die Massenmedien: Sie haben aus einem urspr\u00fcnglichen Kleingruppen-Ph\u00e4nomen, das prim\u00e4r an relativen lokalen Unterschieden und Defekten (Mangel an Selbstwertgef\u00fchl, so f\u00fchren Helmut Schoeck und auch John Rawls in dem Band aus) und in der sozialen Gruppe seinen Ursprung nimmt (Schoeck und Ernst Fehr), etwas Globales und Abstraktes gemacht. Dies ist der jedem und jeder zug\u00e4ngliche Fern-, Fertig- und Serienneid (wie Gonzalo Ferna\u00b4 ndez de la Mora sch\u00f6n zeigt).    <\/p>\n<p>Die Bez\u00fcge des Neides zu Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Privateigentum und Steuerordnung sind offenkundig und vielf\u00e4ltig, wie das Buch verdeutlicht. Da realistischerweise eine Gesellschaft ohne Neid weder w\u00fcnsch- noch realisierbar ist, geht es vor allem darum, ob und wie Neid einged\u00e4mmt werden soll und kann, von Seiten der Neider wie der Beneideten. Markt und Wettbewerb \u2013 also funktionierende liberale und b\u00fcrgerliche Institutionen \u2013 k\u00f6nnen den Neid neutralisieren, ihn gar zum Motor des Fortschrittes machen. Wirtschaftlich und gesellschaftlich verheerend wird der Neid vor allem dann, wenn er politisiert wird und durch staatlichen Zwang Recht erlangen will (Erich Weede). Egalitaristische Ideologien bauen die Gesellschaft auf dem Neid auf und erheben diesen zu ihrem abstrakten Prinzip, ja gar zur sozialen Tugend (wie ein Zitat des sozialistischen \u00d6konomen Abba Lerner grell verdeutlicht). Paradoxerweise versprechen sie zumeist gleichzeitig die Utopie einer neidfreien Gesellschaft. Dagegen h\u00e4lt Helmut Schoeck in seinem \u00abNeid\u00bb, einem der gr\u00f6ssten sozialwissenschaftlichen Werke des 20. Jahrhunderts, fest: Die Geschichte der Zivilisation ist das Ergebnis unz\u00e4hliger Niederlagen des Neides.   <\/p>\n<p>&#8212;<br \/>\n<span style=\"font-size: 80%;\">Gerhard Schwarz, Robert Nef (Hrsg.): <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/publikationen\/buecher\/neidoekonomie\/\">Neid\u00f6konomie<\/a>. Wirtschaftspolitische Aspekte eines Lasters. NZZ-Verlag, Z\u00fcrich 2000. 199 S., Fr. 48.\u2013.<\/span><\/p>\n<p><i class=\"fa fa-file-pdf-o\" aria-hidden=\"true\"><\/i> <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/nzz_20010511_s87.pdf\">NZZ Freitag, 11. Mai 2001, Seite 87<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 \u00d6KONOMISCHE LITERATUR &#8211; Freitag, 11. 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