{"id":1829,"date":"2014-06-04T11:37:26","date_gmt":"2014-06-04T09:37:26","guid":{"rendered":"http:\/\/progress-foundation.nexline.ch\/?p=1829"},"modified":"2021-07-17T17:39:34","modified_gmt":"2021-07-17T15:39:34","slug":"entstaatlichung-des-geldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2014\/06\/04\/entstaatlichung-des-geldes\/","title":{"rendered":"Entstaatlichung des Geldes"},"content":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 \u00d6KONOMISCHE LITERATUR &#8211; Mittwoch, 4. Juni 2014, Nr. 127, Seite 31)    <\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Szenarien einer neuen monet\u00e4ren Ordnung<\/h2>\n<p><em><a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/georg-rich\/\">Georg Rich<\/a><\/em> \u2022 Das von Philipp Bagus und Gerhard Schwarz herausgegebene Buch thematisiert die Problematik der staatlichen Geldschaffung. Wer aufgrund des Titels jedoch ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr deren Privatisierung erwartet, sieht sich get\u00e4uscht. Geboten wird vielmehr eine differenzierte Analyse. Der Begriff \u00abEntstaatlichung \u00bb wird weit gefasst und bezeichnet drei Alternativm\u00f6glichkeiten zu einem System, das dem Staat als Monopolisten gestattet, Geld zu schaffen. Erstens: Der Staat oder eine Zentralbank gibt Geld aus, aber ist dabei an Regeln gebunden, die den Missbrauch des Monopols verhindern. Zweitens: Der Goldstandard wird wieder eingef\u00fchrt, Private d\u00fcrfen Geld schaffen, sind aber verpflichtet, dieses auf Wunsch in Edelmetall einzul\u00f6sen. Und drittens: Das Monopol des Staates wird beseitigt und die Geldschaffung an Private \u00fcbertragen, ohne dass eine Einl\u00f6sepflicht besteht.    <\/p>\n<p>Friedman\/Schwartz und Baltensperger bef\u00fcrworten in ihren Beitr\u00e4gen die erste Variante und lehnen die beiden anderen ab. Auch Buchanan setzt sich f\u00fcr klare Regeln ein und will diese sogar in der Verfassung festschreiben. W\u00e4hrend die Verfechter einer Regelbindung \u00fcberzeugend argumentieren, lassen die Bef\u00fcrworter der \u00fcbrigen zwei Varianten Fragen offen. O\u2019Driscoll etwa fordert die R\u00fcckkehr zum Goldstandard und weist darauf hin, dass in Schottland ein System mit privater Geldschaffung und ohne Zentralbank bis 1845 gut funktionierte. Er zeigt indes nicht, wie sich eine solche Ordnung heute gestalten liesse. Auch wird nicht klar, ob mit dem Goldstandard die Stabilit\u00e4t der jetzigen W\u00e4hrungsordnung gefestigt werden k\u00f6nnte.    <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/entstaatlichung_des_geldes.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" class=\"alignleft size-full wp-image-457\" \/><strong>Philipp Bagus, Gerhard Schwarz (Hrsg.): <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/publikationen\/buecher\/die-entstaatlichung-des-geldes\/\">Die Entstaatlichung des Geldes<\/a>.<\/strong><br \/>\nProgress Fondation, NZZ Libro, Z\u00fcrich 2014, 182 Seiten, Fr. 33.60.<\/p>\n<div style=\"clear:both;\"><\/div>\n<p>Hayek propagiert ebenfalls eine Abkehr von der staatlichen Geldschaffung, l\u00e4sst aber offen, ob das Endresultat der Privatisierung in der Alternative zwei oder drei liegen w\u00fcrde. Er erw\u00e4hnt zwar die Nachteile der Privatisierung, spielt aber ihre Bedeutung herunter. So w\u00fcrden die verschiedenen Geldarten unter Alternative drei ohne Einl\u00f6sepflicht zu flexiblen Wechselkursen zirkulieren, was ihre Attraktivit\u00e4t minderte, da man nie w\u00fcsste, zu welchem Kurs das Geld von anderen akzeptiert w\u00fcrde. Vielleicht w\u00fcrden, sich wie Hayek erwartet, die besten Geldarten im Wettbewerb durchsetzen, aber die Methode f\u00fcr deren Auswahl w\u00fcrde von der \u00d6ffentlichkeit kaum goutiert. Auch H\u00fclsmann attackiert in einer d\u00fcrftigen Analyse die staatliche Geldschaffung, die f\u00fcr ihn keine Vorteile, sondern nur Nachteile hat. Die m\u00f6glichen Nachteile einer Privatisierung erw\u00e4hnt er nicht, sondern suggeriert, mit dem R\u00fcckzug des Staates aus der Geldschaffung liessen sich paradiesische Verh\u00e4ltnisse schaffen.    <\/p>\n<p>Das Buch enth\u00e4lt auch zwei Beitr\u00e4ge zum Euro. Bagus liefert eine schonungslose Analyse von dessen Konstruktionsm\u00e4ngeln, w\u00e4hrend Weede in einem etwas konfusen Aufsatz der staatlichen Geldschaffung viele Entwicklungen anlastet, die der Euro-Zone Schwierigkeiten bereiten, so etwa das ungebremste Wachstum des Wohlfahrtsstaates.  <\/p>\n<p>&#8212;<br \/>\n<strong>Georg Rich<\/strong> ist ehemaliger Chef\u00f6konom der Schweizerischen Nationalbank.<\/p>\n<p><i class=\"fa fa-file-pdf-o\" aria-hidden=\"true\"><\/i> <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/nzz_20140604_s31-1.pdf\">NZZ Mittwoch, 4. Juni 2014, Seite 31<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 \u00d6KONOMISCHE LITERATUR &#8211; Mittwoch, 4. Juni 2014, Nr. 127, Seite 31) M\u00f6gliche Szenarien einer neuen monet\u00e4ren Ordnung Georg Rich \u2022 Das von Philipp Bagus und Gerhard Schwarz herausgegebene Buch thematisiert die Problematik der staatlichen Geldschaffung. 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