{"id":3774,"date":"2006-12-01T01:10:22","date_gmt":"2006-12-01T00:10:22","guid":{"rendered":"http:\/\/progress-foundation.nexline.ch\/?p=3774"},"modified":"2021-07-15T19:30:54","modified_gmt":"2021-07-15T17:30:54","slug":"keine-populaeren-loesungen-bei-der-ueberalterung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2006\/12\/01\/keine-populaeren-loesungen-bei-der-ueberalterung\/","title":{"rendered":"Keine popul\u00e4ren L\u00f6sungen bei der \u00dcberalterung"},"content":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 WIRTSCHAFT &#8211; Freitag, 1. Dezember 2006, Nr. 280, Seite 23)                <\/p>\n<p><em><strong>Eine globale Sicht auf die Demographie<\/strong><\/em>    <\/p>\n<p><strong>mbe.<\/strong> Das Thema Demographie ist in den vergangenen Jahren zu einem popul\u00e4ren Gegenstand \u00f6ffentlicher Debatten geworden. Stichworte wie \u00ab\u00dcberalterung\u00bb oder \u00abdemographische Zeitbombe\u00bb haben breiten Bev\u00f6lkerungskreisen deutlich gemacht, dass der Wandel der Bev\u00f6lkerungsstruktur die westlichen Gesellschaften vor betr\u00e4chtliche Herausforderungen stellen wird. Das grosse Interesse am Thema zeigte sich auch an der <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/veranstaltungen\/economic-conferences-und-andere-anlaesse\/demographie-wachstum-und-wohlstand\/\">23. Economic Conference<\/a> der Progress Foundation, die sich am Donnerstagabend dem Thema \u00abDemographie, Wachstum und Wohlstand\u00bb widmete und rege besucht war. Im Zentrum standen nicht nur die Gr\u00fcnde und Auswirkungen des Bev\u00f6lkerungswandels in Europa und m\u00f6gliche L\u00f6sungsans\u00e4tze, sondern auch eine globaler ausgerichtete Sicht auf das Ph\u00e4nomen.    <\/p>\n<p><strong>Herausforderung von China bis Europa<\/strong>    <\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber Demographie ist \u2013 zumindest in der Schweiz \u2013 oft durch eine Nabelschau gepr\u00e4gt. Es wirkte daher \u00e4usserst erfrischend, dass <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/nicholas-eberstadt\/\">Nicholas Eberstadt<\/a> vom American Enterprise Institute in Washington DC einmal den Blick auf L\u00e4nder lenkte, in denen man demographische Probleme nicht unbedingt vermuten w\u00fcrde. Wer h\u00e4tte etwa gedacht, dass China vor \u00e4hnlichen, wenn nicht gar noch gr\u00f6sseren Herausforderungen steht als wir? Der Anteil der \u00fcber 60-J\u00e4hrigen wird im Reich der Mitte bis 2025 drastisch zunehmen. Hinzu kommt, dass diese Bev\u00f6lkerungsschichten arm und schlecht ausgebildet sind. Sie k\u00f6nnen wegen der Ein-Kind-Politik auch immer weniger auf das traditionelle Alterssicherungssystem \u00abFamilie\u00bb zur\u00fcckgreifen. Laut Eberstadt bahnt sich hier ein \u00abhumanit\u00e4res Desaster in Zeitlupentempo\u00bb an. Das chinesische Sozialversicherungssystem sieht sich bereits heute horrenden ungedeckten Rentenverpflichtungen von 125% bis 150% des Bruttoinlandprodukts gegen\u00fcber, obwohl es kaum einen F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung abdeckt.    <\/p>\n<p>Interessante Aspekte zeigte Eberstadt auch hinsichtlich Russlands, Indiens und der USA auf. Russland ist insofern ein Sonderfall, als dort die Lebenserwartung in den letzten 15 Jahren nicht gestiegen, sondern markant gefallen ist. Besonders russische M\u00e4nner leben immer weniger lang \u2013 sie k\u00f6nnen heute bei Geburt mit einem Alter von 59 Jahren rechnen. Indien hingegen wird, vor allem im S\u00fcden, einen \u00e4hnlichen Alterungsprozess durchlaufen wie westliche Gesellschaften. Die USA schliesslich werden weniger \u00fcberaltern als Westeuropa, haupts\u00e4chlich weil die Frauen mehr Kinder geb\u00e4ren.    <\/p>\n<p><strong>Unbequeme Antworten<\/strong>    <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/rainer-muenz\/\">Rainer M\u00fcnz<\/a>, Leiter der Forschungsabteilung der Ersten Bank in Wien, zeichnete zun\u00e4chst die Prognosen f\u00fcr Europa und die Schweiz nach. Die gute Nachricht sei, dass die Lebenserwartung markant steige, die schlechte, dass die Zahl der Geburten falle. Die resultierende \u00dcberalterung habe weitreichende Folgen: Die Probleme f\u00fcr die Rentensysteme seien wohlbekannt, diejenigen einer sinkenden Erwerbsquote eher weniger. M\u00fcnz betonte, dass die L\u00f6sungsans\u00e4tze auf der Hand l\u00e4gen, aber unpopul\u00e4r seien. Als einzige wirksame Gegenstrategie bezeichnete er eine Verl\u00e4ngerung der Lebensarbeitszeit. M\u00fcnz zeigte, wie Eberstadt auch, dass die Probleme der Rentensysteme vor allem auf das heutige niedrige Rentenalter zur\u00fcckzuf\u00fchren seien. Das Pensionierungsalter m\u00fcsse deshalb flexibilisiert werden, aber es m\u00fcssten auch Anreize geschaffen werden, damit es sich lohne, l\u00e4nger zu arbeiten.    <\/p>\n<p>Andere Ansatzpunkte sah M\u00fcnz als nicht sehr vielversprechend an. Eine verst\u00e4rkte Zuwanderung sch\u00f6be aus seiner Sicht das Problem der \u00dcberalterung nur hinaus, denn auch Immigranten w\u00fcrden \u00e4lter. Auch die anderen Antworten auf die demographische Herausforderung, die M\u00fcnz pr\u00e4sentierte, waren letztlich unbequem: Frauen k\u00f6nnten sich verst\u00e4rkt im Erwerbsleben engagieren, es k\u00f6nnte auf Wohlstand verzichtet werden, oder der Lebensabend k\u00f6nnte gesichert werden, indem im aktiven Erwerbsleben auf Konsum verzichtet und mehr f\u00fcr das Alter gespart w\u00fcrde.     <\/p>\n<p><i class=\"fa fa-file-pdf-o\" aria-hidden=\"true\"><\/i> <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/nzz_20061201_s23.pdf\">NZZ 1. Dezember 2006, Seite 23<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 WIRTSCHAFT &#8211; Freitag, 1. Dezember 2006, Nr. 280, Seite 23) Eine globale Sicht auf die Demographie mbe. Das Thema Demographie ist in den vergangenen Jahren zu einem popul\u00e4ren Gegenstand \u00f6ffentlicher Debatten geworden. 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