{"id":4308,"date":"2008-04-26T14:48:05","date_gmt":"2008-04-26T12:48:05","guid":{"rendered":"http:\/\/progress-foundation.nexline.ch\/?p=4308"},"modified":"2021-07-21T11:47:02","modified_gmt":"2021-07-21T09:47:02","slug":"monatlich-ein-check-anstelle-des-sozialstaats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2008\/04\/26\/monatlich-ein-check-anstelle-des-sozialstaats\/","title":{"rendered":"Monatlich ein Check anstelle des Sozialstaats"},"content":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 WIRTSCHAFT &#8211; Samstag\/Sonntag 26.\/27. April 2008, Nr. 97, Seite 27)                                      <\/p>\n<p><em><strong>Provokative Thesen von Charles Murray<\/strong><\/em>    <\/p>\n<p><em><strong>nz.<\/strong><\/em> Die Reform eines Wohlfahrtsstaats, der sozialpolitische Ziele wie Existenzsicherung sowie Schutz vor Krankheit und Altersarmut unter Inkaufnahme von immer mehr b\u00fcrokratischem Leerlauf anstrebt, erscheint auch in reichen Industrienationen als wichtiger werdende Aufgabe. Der Politologe <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/charles-murray-ph-d\/\">Charles Murray<\/a> vom konservativen Washingtoner Think-Tank American Enterprise Institute hat zu dieser Fragestellung einen radikalen Ansatz entwickelt. Anstelle all dieser Sozialleistungen, mit denen kostbares Steuergeld auch vergeudet wird, um eine grosse B\u00fcrokratie am Leben zu erhalten, soll jeder ein Mindesteinkommen vom Staat erhalten. Es w\u00e4re nach Murray \u2013 das ist die Kehrseite der Medaille \u2013 dann aber Sache jedes Einzelnen, sich selber zu organisieren. An einer <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/veranstaltungen\/economic-conferences-und-andere-anlaesse\/moeglichkeiten-und-grenzen-der-sozialpolitik\/\">Veranstaltung der Progress Foundation<\/a>, die am Donnerstagabend in Z\u00fcrich stattfand, erl\u00e4uterte er diesen Vorschlag, den er in seinem 2006 erschienenen Buch \u00abA Plan to replace the Welfare State\u00bb entwickelt hat.    <\/p>\n<p>Bezogen auf die amerikanischen Verh\u00e4ltnisse, w\u00fcrde der Staat jedem B\u00fcrger ab dem 21. Altersjahr monatlich 1000 $ auf sein Bankkonto \u00fcberweisen. Das absichtlich niedrig angesetzte Mindesteinkommen w\u00fcrde auch Menschen mit bescheidenem Lohn gen\u00fcgend Anreize bieten, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Der an dieser Stelle nur in groben Z\u00fcgen skizzierte Ansatz s\u00e4he dann ab einem Jahreseinkommen von 25 000 $ eine Steuerpflicht vor. Eine der grundlegenden Thesen Murrays lautet, der zurzeit existierende Wohlfahrtsstaat habe zu einer Sinnentleerung gef\u00fchrt. Letztlich sch\u00f6pfe ein Mensch Befriedigung aus den vier Quellen Beruf, Familie, Gemeinschaft und Religion. Das m\u00fcsse wieder im Zentrum stehen. Murray stellte die These auf, der Wohlfahrtsstaat werde in Europa \u2013 vielleicht mit Ausnahme der Schweiz \u2013 aufgrund demografischer Entwicklungen vor demjenigen Amerikas kollabieren, wenn nichts unternommen werde.    <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/pascal-gentinetta\/\">Pascal Gentinetta<\/a>, Direktor der Economiesuisse, kn\u00fcpfte mit seinen Ausf\u00fchrungen zu den Grenzen des Umverteilungsstaats in der Schweiz fast nahtlos an die \u00dcberlegungen Murrays an. Gentinetta beschrieb die komplizierten Wechselwirkungen zwischen einer Vielzahl von Steuern, die auf drei Ebenen erhoben werden, sowie den damit finanzierten Sozialleistungen. An dieser Stelle wurden den Zuh\u00f6rern wohl noch klarer, dass Murray mit seiner These hinsichtlich der letztlich gegen die Interessen des B\u00fcrgers gerichteten Umverteilungsb\u00fcrokratie den wunden Nerv getroffen hat. Trotz diesem Befund waren sich die Referenten aber einig, dass die politische Realisierbarkeit des Murray-Vorschlags auf beiden Seiten des Atlantiks nicht gegeben ist. Der Amerikaner sagte nicht ohne Humor, seine Ideen seien bei linken \u00d6konomen auf lebhaften Zuspruch gestossen \u2013 allerdings unter der Bedingung, dass der monatliche Check in Erg\u00e4nzung zu den bestehenden Sozialleistungen \u00fcberwiesen w\u00fcrde    <\/p>\n<p><i class=\"fa fa-file-pdf-o\" aria-hidden=\"true\"><\/i> <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/nzz_20080426_s27.pdf\">NZZ 26.\/27. April 2008, Seite 27<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(NZZ \u2013 WIRTSCHAFT &#8211; Samstag\/Sonntag 26.\/27. April 2008, Nr. 97, Seite 27) Provokative Thesen von Charles Murray nz. Die Reform eines Wohlfahrtsstaats, der sozialpolitische Ziele wie Existenzsicherung sowie Schutz vor Krankheit und Altersarmut unter Inkaufnahme von immer mehr b\u00fcrokratischem Leerlauf anstrebt, erscheint auch in reichen Industrienationen als wichtiger werdende Aufgabe. 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