{"id":5440,"date":"2021-10-27T11:25:54","date_gmt":"2021-10-27T09:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.progress-foundation.ch\/?p=5440"},"modified":"2022-10-30T02:20:10","modified_gmt":"2022-10-30T00:20:10","slug":"ernaehrung-fuer-ein-besseres-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2021\/10\/27\/ernaehrung-fuer-ein-besseres-leben\/","title":{"rendered":"Ern\u00e4hrung f\u00fcr ein besseres Leben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/personen\/peter-brabeck-letmathe\/\">Peter Brabeck-Letmathe<\/a> &#8211; <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/veranstaltungen\/economic-conferences-und-andere-anlaesse\/how-to-feed-10-billion-people-by-2050\/\">52. Economic Conference<\/a><\/p>\n<div class=\"referat\"><strong>52. Economic Conference \u2013 Z\u00fcrich, 27. Oktober 2021<br \/>\n\u00abHow to feed 10 billion people by 2050\u00bb<br \/>\nReferat von Peter Brabeck-Letmathe<\/strong><\/div>\n<div class=\"nv-iframe-embed\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"Peter Brabeck-Letmathe: Ern\u00e4hrung f\u00fcr ein besseres Leben\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/JYWLAlxt6lU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p>In meinem Buch \u201eErn\u00e4hrung f\u00fcr ein besseres Leben\u201c beschreibe ich die Reise der industriellen Nahrungsproduktion bis hin zum heutigen Stand der Life Sciences.<\/p>\n<p>Ich komme in diesem Buch zum Schluss, dass sowohl die gegenw\u00e4rtige als auch die zuk\u00fcnftige Ern\u00e4hrungsforschung, inklusive der Nutrigenomics als auch der Nutri- und Epigenetik, die wissenschaftlichen Grundlagen liefern werden, damit es in nicht so ferner Zukunft zu einer pers\u00f6nlichen optimalen Ern\u00e4hrung kommen kann.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass der individuelle genetische Code einen grossen Einfluss auf die Reaktion des K\u00f6rpers zur Nahrungsaufnahme hat \u2013 und auf die Art und Weise wie er diese N\u00e4hrstoffe metabolisiert.<\/p>\n<p>Es ist also nachgewiesen, dass eine individuell ausgerichtete und auf die spezifische Genetik angepasste Ern\u00e4hrung nicht nur das Risiko chronischer Erkrankungen reduzieren, sondern auch den Gesundheitszustand im Allgemeinen und die k\u00f6rperliche Performance spezifisch verbessern kann.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Menschheitswunsch war schon immer ein gesundes und langes, aktives Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Bis heute sind wir diesem Ziel bereits ein ganzes St\u00fcck n\u00e4hergekommen: weltweit betrug die Lebenserwartung im Jahr 1820 26 Jahre und 2013 71 Jahre.<\/p>\n<p>Zu verdanken haben wir diesen gewaltigen Fortschritt zu einem entscheidenden Teil der st\u00e4ndig verbesserten Ern\u00e4hrung, die \u00fcber 200 Jahre die notwendige Versorgung von Kalorien zu einem f\u00fcr die Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung m\u00f6glichen Preis sicherstellte.<\/p>\n<p>Ich sage Mehrheit, denn \u2013 meiner Meinung nach ungl\u00fccklicher- und unnotwendigerweise \u2013 z\u00e4hlten wir 2019 immer noch um die 750 Mio. Menschen, die unterern\u00e4hrt und hungrig ihr d\u00fcrftiges Leben f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Durch die Covid-Pandemie und die teilweise panikartigen und nicht antizipierten wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen hat sich jedoch diese Lage wieder krass verschlechtert, sodass wir uns heute wieder der Zahl von 1 Mrd. hungernden Menschen n\u00e4hern!<\/p>\n<p>Die wirklichen Auswirkungen der Covid-Politik haben wir nicht in unseren entwickelten L\u00e4ndern gesp\u00fcrt, sondern sie haben vor allem die \u00e4rmere Bev\u00f6lkerung der Entwicklungsl\u00e4nder getroffen.<\/p>\n<p>Oxfam rapportierte einen sechsfachen Zuwachs f\u00fcr 2020 von Menschen, die an Hunger starben \u2013 in anderen Worten: jede Sekunde starben weltweit 7 Menschen durch das Covid-Virus und 11 Menschen an Hunger und Unterern\u00e4hrung!<\/p>\n<p>Schon vor 30 Jahren hat das UN Committee on Economic and Social and Cultural Rights das Recht auf Ern\u00e4hrung definiert:<\/p>\n<p>\u201cDas Anrecht jedes Individuums alleine oder gemeinsam mit anderen, jederzeit physischen und \u00f6konomischen Zugang zu ad\u00e4quater und kulturell akzeptierbarer Ern\u00e4hrung zu haben, welche nachhaltig produziert und verteilt wird, sodass wir auch die Ern\u00e4hrung zuk\u00fcnftiger Generationen sicher stellen!\u201c<\/p>\n<p>Wir wissen also seit 30 Jahren, was unser Ziel ist, aber wir wissen jetzt auch, dass wir dieses nicht erreicht haben und fragen uns folglich, wie wir es erreichen sollten, wenn ungef\u00e4hr 10 Mrd. Menschen auf diesem kleinen Planeten Erde wohnen werden.<\/p>\n<p>Das heisst in anderen Worten, dass unser derzeitiges Food System den heutigen und zuk\u00fcnftigen Anforderungen nicht entspricht. Dies wird noch offenkundiger, wenn wir den Einfluss der Lebensmittelproduktionskette auf die Klimaver\u00e4nderung einbeziehen!<\/p>\n<p>2018 waren die globale Landwirtschaft und Waldwirtschaft f\u00fcr 24% der CO2- Emissionen verantwortlich, d.h. ungef\u00e4hr auf gleicher H\u00f6he wie Elektrizit\u00e4t und W\u00e4rmegewinnung mit 25% und bedeutend h\u00f6her als z.B. Transport mit 14%.<\/p>\n<p>Der Nutztierwirtschaft alleine k\u00f6nnen 14,5% (UN FAO) zugeschrieben werden, und die ca. 1,5 Mrd. K\u00fche dieser Welt produzieren 7 Gigatonnen Methangas, welches 28 mal so potent ist wie CO2.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise kann aber die Nahrungsproduktion auch einen wichtigen Beitrag zur L\u00f6sung des Klimawandels leisten: einerseits durch die Anwendung neuester Technologien und Prozesse, die eine regenerative Landwirtschaft erm\u00f6glichen. Der \u00dcbergang von einer Intensiv- zu einer Regenerationslandwirtschaft erlaubt die zus\u00e4tzliche, nat\u00fcrliche CO2-Absorption mit Faktor 3 bis 4. W\u00fcrden alle Ackerbaugebiete dieser Welt diese neue Art der Landwirtschaft anwenden und w\u00fcrde CO2 einen angemessenen Preis haben, k\u00f6nnte man das Ganze, von der Menschheit seit dem Beginn der Industrialisierung ausgestossene CO2 in k\u00fcrzester Zeit binden und zugleich den Bauern ein zus\u00e4tzliches Einkommen verschaffen! Was die neuerlich aufgeflammte Diskussion um die Tierzucht anbelangt, k\u00f6nnen wir heute schon Methangas-Emissionen von Tieren um mindestens 30% senken, und wir sind erst am Anfang dieses Forschungsgebietes, welches derzeit das Interesse vieler Universit\u00e4ten geweckt hat, unter anderem der ETH Z\u00fcrich. Wenige h\u00e4tten vorausgesehen, dass eines der h\u00f6chstangesehenen Technologiezentren der Welt einmal wissenschaftlich \u00fcber 100 K\u00fche betreuen w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Auf einer anderen Ebene und ganz pragmatisch muss erw\u00e4hnt werden, dass wir heutzutage in der Nahrungskette 30%-40% (1\/3) Abfall produzieren! Die Vermeidung dieses Abfalls alleine w\u00fcrde gen\u00fcgen, um einen grossen Teil der zus\u00e4tzlichen Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren!<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Frage, die sich stellt, ist, ob wir nicht nur die Lebensmittelsicherheit, d.h. gen\u00fcgend Kalorien f\u00fcr den Menschen, sondern auch die nutritionelle Sicherheit, d.h. die notwendige Qualit\u00e4t dieser Ern\u00e4hrung, gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen. Dies \u00e4ndert die Kompassnadel vom Quantitativen zum Qualitativen!<\/p>\n<p>Wir wissen heute, dass ein Zuviel an leeren Kalorien so sch\u00e4dlich sein kann wie ein Zuwenig. Unter- und Falsch-Ern\u00e4hrung sind hauptverantwortlich f\u00fcr chronische Krankheiten des Cardiovaskularsystems oder z.B. Diabetes. Aber eine gute, ausgewogene und auf den einzelnen Menschen zugeschnittene Nutrition kann nicht nur unsere Gesundheit besch\u00fctzen und st\u00e4rken, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle f\u00fcr die Genesung, z.B. nach einer \u00fcberstandenen Krebstherapie oder einer schweren Operation.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen einer lebenslangen, qualitativ hochwertigen und einer niederwertigen Ern\u00e4hrung dr\u00fcckt sich in der Lebenserwartung der Bev\u00f6lkerung aus, die nicht nur l\u00e4nger sein kann, sondern vor allem ein aktiveres und unabh\u00e4ngigeres, autonomes Leben sichern soll!<\/p>\n<p>Proteine und ihre Qualit\u00e4t spielen dabei eine \u00e4u\u00dfert wichtige Rolle. Wir werden bis 2050 ca. 60% mehr Proteine f\u00fcr die Weltbev\u00f6lkerung brauchen, und wir m\u00fcssen dabei verstehen, dass tierische Proteine hochwertiger sind als pflanzliche, aber ein Zehnfaches an nat\u00fcrlichen Rohstoffen und vor allem an Wasser brauchen.<\/p>\n<p>Das ist der Grund, warum wir L\u00f6sungen f\u00fcr Fleisch- und Fischersatz brauchen und daf\u00fcr nicht nur alternative pflanzliche Proteine zum Einsatz kommen, sondern wir auch biologisch kultiviertes Fleisch und Fisch auf unserem Teller finden werden. Das heisst nicht, dass wir in der Zukunft kein Fleisch essen werden, sondern dass wir nicht nur aus ethischen, sondern vor allem aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden einige fleisch- und fischfreie Tage in unserem kulinarischen Wochenprogramm haben sollten.<\/p>\n<p>Erlauben Sie mir zum Abschluss noch ein Wort zum Thema Lebensmittel und Geopolitik zu sagen:<\/p>\n<p>Der beste Weg, um eine stark wachsende Bev\u00f6lkerung qualitativ hochwertig und nachhaltig zu ern\u00e4hren, ist die Anwendung technologischer Errungenschaften und die Produktion der diversen Rohmaterialen an den Orten, wo es nat\u00fcrlich relative Vorteile gibt.<\/p>\n<p>Dies bedingt zwei Sachen: erstens, der freie Handel mit Lebensmitteln, und zweitens, dass Ern\u00e4hrungsprodukte nicht als politische Waffen oder Handelsbarrieren benutzt werden!! Leider haben viele Politiker im In- und Ausland dies noch nicht verstanden. Eine erfolgreiche weltweite Ern\u00e4hrungssicherheit erfordert einen multilateralen Rahmen und nicht viele nationale Rahmenbedingungen!<\/p>\n<p>Wir wissen also wie wir 10 Milliarden Menschen ern\u00e4hren k\u00f6nnen, wir haben dazu das n\u00f6tige Know-how, es fehlt uns also nur der notwendige politische Wille.<\/p>\n<p>Besten Dank.<\/p>\n<p><i class=\"fa fa-file-pdf-o\" aria-hidden=\"true\"><\/i> <a href=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/52.EC_Referat-P.Brabeck-1.pdf\">Referat P. Brabeck<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Brabeck-Letmathe &#8211; 52. Economic Conference 52. Economic Conference \u2013 Z\u00fcrich, 27. Oktober 2021 \u00abHow to feed 10 billion people by 2050\u00bb Referat von Peter Brabeck-Letmathe In meinem Buch \u201eErn\u00e4hrung f\u00fcr ein besseres Leben\u201c beschreibe ich die Reise der industriellen Nahrungsproduktion bis hin zum heutigen Stand der Life Sciences. 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