{"id":8744,"date":"2022-10-18T10:19:13","date_gmt":"2022-10-18T08:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.progress-foundation.ch\/?p=8744"},"modified":"2022-10-24T10:28:06","modified_gmt":"2022-10-24T08:28:06","slug":"wir-sollten-mit-rezessionen-leben-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2022\/10\/18\/wir-sollten-mit-rezessionen-leben-lernen\/","title":{"rendered":"Wir sollten mit Rezessionen leben lernen"},"content":{"rendered":"<p>(Nzz.ch, 4.10.2022)<\/p>\n<p><strong style=\"font-size:120%\">In der Politik dominiert die Ansicht, Rezessionen m\u00fcssten mit allen Mitteln bek\u00e4mpft werden; wenn das nicht gelinge, seien zumindest die Menschen vor deren Folgen zu sch\u00fctzen. Doch in einem gewissen Ausmass sind Konjunkturschwankungen normal und sollten gelassen hingenommen werden. Nur besonders grossen Ausschl\u00e4gen und der Chronifizierung von Rezessionen sollte man beherzt entgegentreten.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gerhard Schwarz<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_8745\" aria-describedby=\"caption-attachment-8745\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/ibrahim-boran-JhbrPBIZj0o-unsplash.webp\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" class=\"size-full wp-image-8745\" srcset=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/ibrahim-boran-JhbrPBIZj0o-unsplash.webp 960w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/ibrahim-boran-JhbrPBIZj0o-unsplash-300x200.webp 300w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/ibrahim-boran-JhbrPBIZj0o-unsplash-768x512.webp 768w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/ibrahim-boran-JhbrPBIZj0o-unsplash-930x620.webp 930w\" sizes=\"(max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8745\" class=\"wp-caption-text\">Bei anhaltender Inflationsrate wie in Deutschland w\u00e4re das Geld innerhalb von sieben Jahren noch halb so viel wert.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet f\u00fcr ihre mehrheitlich wohlhabenden Mitgliedsl\u00e4nder eine Phase \u00abged\u00e4mpften Wachstums\u00bb. Das ist euphemistisch, denn die Medien sind voll mit Rezessionsprognosen. Es ist kaum vorstellbar, dass die zumal im Euro-Raum zun\u00e4chst verschlafene Bek\u00e4mpfung der Inflation nun ohne Konjunktureinbruch abgehen k\u00f6nnte. Die Inflation weist n\u00e4mlich fast galoppierende Z\u00fcge auf. F\u00fcr Deutschland rechnen Experten mit bald zweistelligen Teuerungsraten. W\u00fcrden sie anhalten, w\u00e4re das Geld innerhalb von sieben Jahren noch halb so viel wert.<\/p>\n<p>Eine solche Dynamik muss man beherzt bremsen, unter Inkaufnahme konjunktureller Kollateralsch\u00e4den. Die Schweiz steht zwar besser da als ihre Nachbarn, aber angesichts ihrer Offenheit und Aussenhandelsorientierung wird sie vom Sog der Rezession mit erfasst werden.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4re eine Rezession so schlimm? Ist es sinnvoll, mit allen erdenklichen staatlichen Interventionen die Rezession zu bek\u00e4mpfen oder Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung so sehr in Watte zu packen, dass sie von der Rezession fast nichts sp\u00fcren? Die Fragen stellen, heisst, sie verneinen. Erstens muss man derzeit zwischen Rezession und Inflation abw\u00e4gen. Da, wie die Erfahrung lehrt, aus jeder Inflation leicht eine unkontrollierbare Hyperinflation werden kann, geb\u00fchrt der Inflationsbek\u00e4mpfung der Vorrang.<\/p>\n<p>Zweitens darf man nicht glauben, der Versuch der Staaten, mit Zusch\u00fcssen, Preisdeckelungen, 9-Euro-Tickets und \u00c4hnlichem Kaufkraft und Nachfrage zu stabilisieren, sei gratis. Die Annehmlichkeiten der lockeren Geldpolitik kamen entgegen manch marktfeindlicher Propaganda fast allen zugute, und das Sicherungsnetz der Wohlfahrtsstaaten sorgt daf\u00fcr, dass selbst die Schw\u00e4chsten in einer Rezession nicht abst\u00fcrzen. Vor diesem Hintergrund sollten auch alle die Last der Rezession tragen.<\/p>\n<p>Drittens bringen Rezessionen eine Strukturbereinigung. Unternehmen, die schon vorher kaum \u00fcber die Runden kamen, m\u00fcssen in solchen Phasen redimensionieren oder ganz schliessen. Ihre Belegschaft wird zumal in einem Land wie der Schweiz, deren Arbeitsmarkt ohne Zuwanderung austrocknen w\u00fcrde, rasch andernorts Arbeit finden. Zugegeben: Pandemie, Energiepreisschock und Rezession kurz nacheinander k\u00f6nnen selbst gesunde Betriebe ins Schlingern bringen, so dass eine gewisse pragmatische Grossz\u00fcgigkeit angebracht scheint. Aber deswegen jegliche Bereinigung zu torpedieren, w\u00e4re gleichwohl verheerend.<\/p>\n<p>Viertens gab es in den letzten 40 Jahren in der Schweiz vier gr\u00f6ssere R\u00fcckg\u00e4nge des realen Bruttoinlandprodukts (zwischen 1 und 3 Prozent). Trotzdem hat sich die gesamtwirtschaftliche Wertsch\u00f6pfung im gleichen Zeitraum verdoppelt. Diese l\u00e4ngerfristige Perspektive relativiert die jeweilige kurzfristige Panik. Konjunkturschwankungen um einen Wachstumspfad geh\u00f6ren fast naturgesetzlich zu einer dynamischen Wirtschaft. Gef\u00e4hrlich sind sie nur, wenn sie zu gross oder chronisch werden. Das sollte man verhindern. Mit kleineren und k\u00fcrzeren Rezessionen sollte man dagegen gelassener zu leben lernen.<\/p>\n<div class=\"wc-shortcodes-box wc-shortcodes-item wc-shortcodes-content wc-shortcodes-clearfix wc-shortcodes-box-secondary \" style=\"text-align:left;\">\nGerhard Schwarz war Leiter der Wirtschaftsredaktion der NZZ und ist Pr\u00e4sident der Progress Foundation.\n<\/div>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/gerhard-schwarz-wir-sollten-mit-rezessionen-leben-lernen-ld.1705028\">https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/gerhard-schwarz-wir-sollten-mit-rezessionen-leben-lernen-ld.1705028<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Nzz.ch, 4.10.2022) In der Politik dominiert die Ansicht, Rezessionen m\u00fcssten mit allen Mitteln bek\u00e4mpft werden; wenn das nicht gelinge, seien zumindest die Menschen vor deren Folgen zu sch\u00fctzen. Doch in einem gewissen Ausmass sind Konjunkturschwankungen normal und sollten gelassen hingenommen werden. 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