{"id":8911,"date":"2023-02-07T11:32:25","date_gmt":"2023-02-07T10:32:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.progress-foundation.ch\/?p=8911"},"modified":"2023-02-17T11:42:27","modified_gmt":"2023-02-17T10:42:27","slug":"die-schweizer-mehrwertsteuer-absurditaeten-zuhauf-und-ungenutztes-wohlstandspotenzial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2023\/02\/07\/die-schweizer-mehrwertsteuer-absurditaeten-zuhauf-und-ungenutztes-wohlstandspotenzial\/","title":{"rendered":"Die Schweizer Mehrwertsteuer: Absurdit\u00e4ten zuhauf und ungenutztes Wohlstandspotenzial"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"font-size:125%\">In der Schweiz gibt es bei der Mehrwertsteuer drei verschiedene S\u00e4tze und zudem Ausnahmen f\u00fcr verschiedene Dienstleistungen. Das f\u00fchrt zu zahlreichen Ungereimtheiten und ist wohlstandssch\u00e4digend.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gerhard Schwarz, Nzz.ch, 24.01.2022<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_8912\" aria-describedby=\"caption-attachment-8912\" style=\"width: 1920px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hotel-g6f1b28492_1920.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1440\" class=\"size-full wp-image-8912\" srcset=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hotel-g6f1b28492_1920.jpg 1920w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hotel-g6f1b28492_1920-300x225.jpg 300w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hotel-g6f1b28492_1920-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hotel-g6f1b28492_1920-768x576.jpg 768w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hotel-g6f1b28492_1920-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8912\" class=\"wp-caption-text\">In einem Hotel kann es mit der Mehrwertsteuer kompliziert werden, je nachdem, welche Dienstleistungen man wie in Anspruch nimmt. Bild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/hans-2\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=65044\">Hans<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=65044\">Pixabay<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>B\u00fcrgerliche Politiker betonen in ihren Sonntagsreden gerne, wie wichtig eine saubere Ordnungspolitik sei, aber selbst bei offensichtlichen Massnahmen zur Verbesserung der Standortqualit\u00e4t verlassen sie Mut und Kraft. Ein Beispiel ist die Mehrwertsteuer. Liberale Ordnungspolitik heisst, dass der Staat die Spielregeln des Wirtschaftens festlegt und sich Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, Produzenten wie Konsumenten innerhalb dieser Spielregeln frei bewegen und verhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Regeln sollten langfristig, stabil, vor allem aber allgemein und f\u00fcr alle gleichermassen g\u00fcltig sein. F\u00fcr die Erhebung einer Mehrwertsteuer hiesse das, dass die Steuer ausnahmslos f\u00e4llig werden sollte, wenn jemand eine Ware oder Dienstleistung erwirbt, und dass der Satz immer gleich sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p><strong>R\u00fccksichtnahme oder Bevorteilung?<\/strong><\/p>\n<p>Doch die Schweiz kennt drei Steuers\u00e4tze, und gewisse Leistungen sind ganz von der Steuer ausgenommen, wobei die Steuerbefreiung nur scheinbar ist, da zugleich der Vorsteuerabzug wegf\u00e4llt. Der Normalsteuersatz von 7,7 (ab 2024 sind es 8,1) Prozent gilt f\u00fcr alle Leistungen, die besteuert werden und nicht einem anderen Satz unterliegen. Der reduzierte Satz von 2,5 (2,6) Prozent wird auf Nahrungsmitteln und Zusatzstoffen erhoben, aber auch auf Medikamenten, Zeitungen, Zeitschriften, B\u00fcchern, Schnittblumen, Str\u00e4ussen, Kr\u00e4nzen, D\u00fcnger, Pflanzenschutzmitteln und Mulch.<\/p>\n<p>Der Sondersatz von 3,7 (3,8) Prozent gilt f\u00fcr Beherbergungsleistungen (einschliesslich Fr\u00fchst\u00fcck). Ganz ausgenommen sind beispielsweise \u00e4rztliche Behandlungen, Opernauff\u00fchrungen, der Geld- und Kapitalverkehr, Versicherungen, Lotterieums\u00e4tze oder das Sozialwesen.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung f\u00fcr solche Feinsteuerung lautet, man m\u00fcsse politische R\u00fccksichten nehmen und man wolle alle Steuern m\u00f6glichst \u00absozial\u00bb gestalten. Doch \u00abR\u00fccksichtnahme\u00bb besteht hier in der Bevorteilung der Hotellerie gegen\u00fcber anderen Branchen. Und der reduzierte Satz f\u00fcr Nahrungsmittel n\u00fctzt zumindest in absoluten Zahlen denen am meisten, die am meisten f\u00fcr sie ausgeben \u2013 und das sind nicht die \u00c4rmsten.<\/p>\n<p><strong>Reduzierter Satz auch f\u00fcr Kaviar<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem aber handelt man sich mit dem Wirrwarr Absurdit\u00e4ten zuhauf ein. Alkoholische Getr\u00e4nke gelten als Genussmittel und unterliegen dem Normalsatz. Nur: Ist das Nahrungsmittel Kaviar nicht auch ein Genussmittel? Der Hotelgast zahlt beim Fr\u00fchst\u00fcck den Sondersatz, bei der Minibar den Normalsatz. Beim Take-away gilt der reduzierte Satz, im Restaurant der Normalsatz. Wer der Freundin Blumen schickt, zahlt f\u00fcr den Strauss den reduzierten, f\u00fcr die Gl\u00fcckwunschkarte den normalen Satz.<\/p>\n<p>Das sind wenige M\u00fcsterchen eines b\u00fcrokratischen, kostspieligen, f\u00fcr den Normalb\u00fcrger fast undurchschaubaren Systems. Ein Einheitssatz, der bei gleichem Steueraufkommen mehr als einen Prozentpunkt unter dem heutigen Normalsatz zu liegen k\u00e4me, und die Reduktion der Ausnahmen (ganz ohne wird es kaum gehen) w\u00fcrden diese M\u00e4ngel beheben und br\u00e4chten betr\u00e4chtliche Wohlstandsgewinne. Sie wurden schon vor f\u00fcnfzehn Jahren auf 10 Milliarden Franken gesch\u00e4tzt. Solch offensichtliche Wohlstandspotenziale nicht zu heben, stellt der Schweizer Steuerpolitik kein gutes Zeugnis aus.<\/p>\n<div class=\"wc-shortcodes-box wc-shortcodes-item wc-shortcodes-content wc-shortcodes-clearfix wc-shortcodes-box-secondary \" style=\"text-align:left;\">\n<strong>Gerhard Schwarz<\/strong> war Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion und ist heute Pr\u00e4sident der Progress Foundation.\n<\/div>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/ungenutzte-wohlstandspotenziale-bei-der-mehrwertsteuer-ld.1722562\">https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/ungenutzte-wohlstandspotenziale-bei-der-mehrwertsteuer-ld.1722562<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz gibt es bei der Mehrwertsteuer drei verschiedene S\u00e4tze und zudem Ausnahmen f\u00fcr verschiedene Dienstleistungen. Das f\u00fchrt zu zahlreichen Ungereimtheiten und ist wohlstandssch\u00e4digend. 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