{"id":8965,"date":"2023-02-21T13:14:33","date_gmt":"2023-02-21T12:14:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.progress-foundation.ch\/?p=8965"},"modified":"2023-02-24T13:15:21","modified_gmt":"2023-02-24T12:15:21","slug":"muss-klimaschutz-weh-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2023\/02\/21\/muss-klimaschutz-weh-tun\/","title":{"rendered":"Muss Klimaschutz weh tun?"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"font-size:125%\">In Debatten \u00fcber den Klimaschutz taucht oft die Vorstellung auf, jedes Land m\u00fcsse den CO2-Ausstoss bei sich zu Hause reduzieren. Da es sich beim Klimawandel um ein globales Problem handelt, w\u00e4re es jedoch sinnvoll, CO2-Emissionen dort zu reduzieren, wo mit den eingesetzten Mitteln die st\u00e4rkste Wirkung erzielt werden kann. Das ist nicht unmoralisch, sondern effizient.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gerhard Schwarz, Nzz.ch, 07.02.2023<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_8966\" aria-describedby=\"caption-attachment-8966\" style=\"width: 1920px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1280\" class=\"size-full wp-image-8966\" srcset=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920.jpg 1920w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/factory-g550617444_1920-930x620.jpg 930w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8966\" class=\"wp-caption-text\">Emissionen ver\u00e4ndern das Klima global, nicht nur lokal.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00d6konomen sind es gewohnt, dass ihre Konzepte von Nicht\u00f6konomen nicht n\u00fcchtern nach der Wirksamkeit beurteilt werden, sondern nach der Gesinnung, die sich dahinter verbirgt. In der Frage, was als moralisch zu gelten habe, halten sich ja alle f\u00fcr kompetent \u2013 auch wenn jeder eine andere Ansicht hat. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Reduktion des Treibhausgasausstosses. Der Bundesrat will diesen, um das Klimaziel zu erreichen, bis 2030 halbieren. Gem\u00e4ss revidiertem CO2-Gesetz soll die Reduktion zu zwei Dritteln im Inland, zu einem Drittel mit Klimaschutzprojekten im Ausland erfolgen.<\/p>\n<p>Die Begrenzung des Auslandanteils hat damit zu tun, dass dieser f\u00fcr viele Menschen des Teufels ist. Der Erwerb sogenannter CO2-Zertifikate im Ausland erlaubt es Firmen, teure Umr\u00fcstungen ihrer Produktionsanlagen zu vermeiden und sich trotzdem als klimaneutral zu verkaufen. Und Private k\u00f6nnen dank Zertifikaten Ferien in Thailand verbringen und sich trotzdem klimapolitisch sauber f\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong>Ablasshandel?<\/strong><\/p>\n<p>In den Augen vieler ist aber die Tatsache, dass man daf\u00fcr zahlt, dass in einem armen Land durch Aufforstungen oder die F\u00f6rderung erneuerbarer Energien CO2-Emissionen eingespart werden, statt dass man die eigene Produktions- und Lebensweise umstellt, Ablasshandel. Und obwohl dieser in der katholischen Kirche seit 1562 verboten ist, ist das noch immer ein fast vernichtender Vorwurf.<\/p>\n<p>Nur: Ist der Vorwurf stimmig? Die vereinigten Gesinnungsethiker dieser Welt werden mit Ja antworten. Wem es schlicht um den wirksamen Kampf gegen den Klimawandel geht, muss hingegen daran gelegen sein, dass mit den eingesetzten Mitteln die h\u00f6chstm\u00f6gliche CO2-Reduktion erreicht wird. Das ist meist in \u00e4rmeren, umweltpolitisch weniger fortgeschrittenen L\u00e4ndern der Fall und nicht dort, wo die Umwelteffizienz schon heute hoch ist. Und es ist dort der Fall, wo mit Aufforstungen oder der Verhinderung von Rodungen relativ billig CO2 aus der Atmosph\u00e4re gezogen und gespeichert werden kann. Die Umstellung ganzer Produktionsprozesse k\u00e4me dagegen massiv teurer.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Klima ist es irrelevant, ob der R\u00fcckgang der CO2-Emissionen in Basel oder Bangkok erfolgt und ob er hohe oder niedrige Kosten verursacht. Relevant ist nur, dass er stattfindet. Dass mit Waldschutzzertifikaten offenbar Schindluder getrieben wurde, wie unter anderem die \u00abZeit\u00bb recherchiert hat, schadet zwar dem Image der Kompensationen, \u00e4ndert aber nichts am Grundsatz.<\/p>\n<p><strong>Fussabdruck im Ausland<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Kompensationen im Ausland spricht in Bezug auf kleinere, reiche L\u00e4nder wie die Schweiz zudem, dass deren CO2-Fussabdruck im Ausland besonders gross ist: Die importierten Rohstoffe beinhalten \u00abgraue\u00bb Emissionen, Schweizer Unternehmen sind stark im Ausland t\u00e4tig, stossen also dort CO2 aus, vor allem aber stecken in jedem importierten Konsum- und Investitionsgut \u00abgraue\u00bb Emissionen, und Reisen ins sowie Ferienaufenthalte im Ausland f\u00fchren dort zu schweizerischen CO2-Emissionen.<\/p>\n<p>Nur die merkw\u00fcrdige Vorstellung, Moral m\u00fcsse weh tun, spricht also dagegen, CO2-Emissionen im Ausland zu reduzieren, sofern das am billigsten ist. Aus Sicht des Klimas spricht hingegen alles daf\u00fcr.<\/p>\n<div class=\"wc-shortcodes-box wc-shortcodes-item wc-shortcodes-content wc-shortcodes-clearfix wc-shortcodes-box-secondary \" style=\"text-align:left;\">\n<strong>Gerhard Schwarz<\/strong> war Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion und ist heute Pr\u00e4sident der Progress Foundation.\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Debatten \u00fcber den Klimaschutz taucht oft die Vorstellung auf, jedes Land m\u00fcsse den CO2-Ausstoss bei sich zu Hause reduzieren. Da es sich beim Klimawandel um ein globales Problem handelt, w\u00e4re es jedoch sinnvoll, CO2-Emissionen dort zu reduzieren, wo mit den eingesetzten Mitteln die st\u00e4rkste Wirkung erzielt werden kann. 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