{"id":9084,"date":"2023-04-18T15:30:10","date_gmt":"2023-04-18T13:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.progress-foundation.ch\/?p=9084"},"modified":"2023-04-26T15:31:58","modified_gmt":"2023-04-26T13:31:58","slug":"und-die-groesse-ist-gefaehrlich-ueberlegungen-zur-neuen-schweizer-super-bank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pf.annen.ch\/en\/2023\/04\/18\/und-die-groesse-ist-gefaehrlich-ueberlegungen-zur-neuen-schweizer-super-bank\/","title":{"rendered":"\u00ab&#8230; und die Gr\u00f6sse ist gef\u00e4hrlich\u00bb \u2013 \u00dcberlegungen zur neuen Schweizer Super-Bank"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"font-size:125%\">Die CS-Krise ruft in Erinnerung, dass Unternehmen, die \u00abtoo big to fail\u00bb sind, in einer Marktwirtschaft einen Fremdk\u00f6rper darstellen. Es darf aber nicht \u00fcbersehen werden, dass sehr grosse Unternehmen generell problematisch sind. Die Gr\u00f6sse verleiht ihnen wirtschaftliche und politische Macht, die einer liberalen Ordnung nicht zutr\u00e4glich ist.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gerhard Schwarz, Nzz.ch, 04.04.2023<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_9085\" aria-describedby=\"caption-attachment-9085\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pf.annen.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Walter_Eucken2.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"225\" class=\"size-full wp-image-9085\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9085\" class=\"wp-caption-text\">Der deutsche \u00d6konom Walter Eucken (1891 bis 1950), Vater der Ordnungspolitik.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Selten war in der wirtschaftspolitischen Diskussion so viel von Ordnungspolitik die Rede wie nach der \u00abRettung\u00bb der Credit Suisse durch eine konzertierte Aktion von Bundesrat, Nationalbank, Finma und UBS. Das ist erfreulich. Es w\u00e4re gut, in der Wirtschaftspolitik w\u00e4re der ordnungspolitische Kompass \u00f6fter erkennbar. Wie ein Mantra wird von den Verantwortlichen behauptet, die getroffene L\u00f6sung sei die am wenigsten schlechte.<\/p>\n<p>Um zu beurteilen, ob das stimmt und sich der ordnungspolitische S\u00fcndenfall rechtfertigen l\u00e4sst, m\u00fcsste man mehr wissen, als man als noch so aufmerksamer Beobachter wissen kann. Also muss man es einfach glauben. Ebenso vertrauensvoll muss man das Team um Sergio Ermotti und Colm Kelleher nun den eingeschlagenen Weg gehen lassen, soll das schwierige Unterfangen \u00fcberhaupt eine Chance haben.<\/p>\n<p><strong>WETTBEWERB VOR EIGENTUM<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Betrachtungen seien dennoch erlaubt. Erstens: Wenn man eine Bank nicht in Konkurs gehen lassen kann und zwischen zwei \u00dcbeln, dem tempor\u00e4ren Eingriff in das Privateigentum und der Besch\u00e4digung des Wettbewerbs, w\u00e4hlen muss sollte man sich f\u00fcr Ersteres entscheiden. Der Vater der Ordnungspolitik, Walter Eucken, stellt ins Zentrum der ihm vorschwebenden Wettbewerbsordnung ein \u00abfunktionsf\u00e4higes Preissystem vollst\u00e4ndiger Konkurrenz\u00bb.<\/p>\n<p>Das Privateigentum nennt er erst als viertes von sieben Prinzipien. Schweden und seine Beh\u00f6rde Riksg\u00e4lden haben gezeigt, dass man Banken vor\u00fcbergehend verstaatlichen kann, um das Vertrauen wieder herzustellen.<\/p>\n<p>Zweitens: Aus ordoliberaler Sicht sind nicht nur Unternehmen ein Problem, die zu gross zum Sterben sind, sondern grosse Unternehmen generell. Sie sind ein Klumpenrisiko. F\u00fcr grosse Banken gilt das erst recht. Sie erh\u00f6hen zudem die Erpressbarkeit des Heimatlandes solcher Unternehmen durch gr\u00f6ssere Staaten. Und vor allem verleiht Gr\u00f6sse in der Regel Macht.<\/p>\n<p><strong>BEGRENZUNG JEGLICHER MACHT<\/strong><\/p>\n<p>Den Architekten der Sozialen Marktwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg war kein Anliegen wichtiger als die Begrenzung jeglicher Macht, staatlicher, gewerkschaftlicher und wirtschaftlicher. Eine der letzten Vorlesungen Euckens an der London School of Economics im M\u00e4rz 1950, kurz vor seinem Tod, galt der wirtschaftlichen Macht.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn war Macht nicht an sich b\u00f6se, doch ihr Besitz \u00abprovoziert Willk\u00fcrakte, gef\u00e4hrdet die Freiheit anderer Menschen, zerst\u00f6rt gewachsene und gute Ordnungen\u00bb. Der Wettbewerb sollte daher nicht nur Effizienz, tiefe Preise und Innovation sichern, sondern auch die Macht begrenzen.<\/p>\n<p><strong>MENSCHLICHES MASS<\/strong><\/p>\n<p>Die Sympathie f\u00fcr Kleinheit und Dezentralit\u00e4t \u2013 in Politik, Wirtschaft und Technik \u2013 war vor allem gesellschaftlich motiviert. Es ging um Freiheit, Risikostreuung und menschliches Mass.<\/p>\n<p>Deshalb l\u00e4uft die heutige Kolumne unter einem schon \u00f6fter gebrauchten Titel (aus \u00abDer Traum ein Leben\u00bb von Franz Grillparzer). Wie einst zur Fusion von Ciba und Sandoz zu Novartis und dann zur Katastrophe von Fukushima passt er nun zum Entscheid, die grosse UBS durch die \u00dcbernahme der CS noch viel gr\u00f6sser zu machen. Man soll Gr\u00f6sse nicht verbieten, muss sich jedoch ihrer Probleme bewusst sein und sie daher sorgf\u00e4ltig einhegen. Sie bietet Chancen, aber sie ist gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<div class=\"wc-shortcodes-box wc-shortcodes-item wc-shortcodes-content wc-shortcodes-clearfix wc-shortcodes-box-secondary \" style=\"text-align:left;\">\n<strong>Gerhard Schwarz<\/strong> war Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion und ist heute Pr\u00e4sident der Progress Foundation.\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die CS-Krise ruft in Erinnerung, dass Unternehmen, die \u00abtoo big to fail\u00bb sind, in einer Marktwirtschaft einen Fremdk\u00f6rper darstellen. Es darf aber nicht \u00fcbersehen werden, dass sehr grosse Unternehmen generell problematisch sind. Die Gr\u00f6sse verleiht ihnen wirtschaftliche und politische Macht, die einer liberalen Ordnung nicht zutr\u00e4glich ist. 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